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Peak Shaving mit Batteriespeicher: Lastspitzen verstehen

Peak Shaving beschreibt die technische Begrenzung kurzer Leistungsspitzen. Für Gewerbe und Industrie ist das vor allem dann relevant, wenn gemessene Leistung, Netzanschluss und Betriebsstrategie zusammen betrachtet werden.

Kurzantwort

Peak Shaving, auch Lastspitzenkappung genannt, begrenzt kurzzeitige Leistungsspitzen am Netzanschlusspunkt. Ein Batteriespeicher liefert in diesen Momenten Leistung, damit der Netzbezug unter einem definierten Zielwert bleibt.

Ob ein Gewerbespeicher dafür sinnvoll ist, lässt sich nicht pauschal beantworten. Entscheidend sind 15-Minuten-Lastgang, Leistungspreis, Dauer der Spitzen, Ladefenster, Messkonzept und weitere Anwendungen wie PV-Eigenverbrauch oder Ladeinfrastruktur.

Warum Lastspitzen relevant sind

Viele Gewerbe- und Industriebetriebe zahlen nicht nur für die verbrauchte Energie in kWh, sondern auch für gemessene Leistung in kW. Wie diese Leistung bewertet wird, hängt vom Netzbetreiber, vom Preisblatt und vom Messkonzept am Standort ab.

Eine einzelne Lastspitze ist deshalb nicht automatisch ein Speicherprojekt. Relevant wird Peak Shaving erst, wenn die Spitzen kurz, wiederkehrend, technisch kappend und wirtschaftlich im Verhältnis zum Speicheraufwand sind.

Wichtige Begriffe

Peak Shaving

Begrenzung kurzer Leistungsspitzen durch Speicherleistung oder Lastmanagement.

Lastspitzenkappung

Deutscher Begriff für das gezielte Kappen von Peaks oberhalb eines Zielwerts.

15-Minuten-Lastgang

Messreihe, die zeigt, wann und wie lange Leistungsspitzen auftreten.

Leistungspreis

Preisbestandteil, der sich auf gemessene Leistung in kW bezieht.

Netzanschluss

Punkt, an dem Speicher, Verbraucher, PV und Ladeinfrastruktur zusammen wirken.

EMS

Energiemanagementsystem, das Speicherleistung, Ladefenster und Zielwert steuert.

Wie ein Batteriespeicher Peak Shaving unterstützt

Der Speicher wird auf einen Zielwert für den Netzbezug parametriert. Überschreitet der Standort diesen Zielwert, stellt der Speicher Leistung bereit und reduziert den Bezug aus dem Netz.

In lastschwächeren Zeitfenstern wird der Speicher wieder geladen. Diese Betriebsstrategie muss zum Standort passen, weil dieselbe Batterie häufig mehrere Aufgaben erfüllen soll: Lastspitzenkappung, PV-Eigenverbrauch, Ladeinfrastruktur oder Backup-Anforderungen.

Strompreisvolatilität als zweiter Planungsfaktor

Neben Lastspitzen werden negative und sehr hohe Börsenstrompreise für Speicherprojekte relevanter. Sie zeigen, dass steuerbare Flexibilität wirtschaftlich wertvoller wird – aber nur, wenn Tarif, Messkonzept, EMS und Vermarktung zusammenpassen.

Für die Projektprüfung bedeutet das: Peak Shaving bleibt oft der greifbare Einstieg. Marktpreisfenster, PV-Eigenverbrauch und Ladeinfrastruktur werden anschließend als zusätzliche Betriebsmodi bewertet.

Negative Preise

Können Ladefenster attraktiv machen, wenn der Standort Börsenpreissignale vertraglich nutzen kann.

Hohe Preisfenster

Können Entladefenster aufwerten, müssen aber gegen Zyklenkosten und andere Speicheraufgaben gerechnet werden.

Revenue Stacking

Mehrere Nutzenarten sind möglich, brauchen aber klare Prioritäten im EMS und eine projektspezifische Wirtschaftlichkeitsrechnung.

Einordnung zu negativen Strompreisen lesen

Prinzipdarstellung

Beispielhafter Tagesverlauf Prinzipdarstellung, keine Auslegung Kurzzeitige Lastspitze Zielwert Netzbezug Standortlast Netzbezug nach Speicher Speicher entlädt

So wird Peak Shaving projektspezifisch bewertet

  1. 01

    Lastgang lesen

    Zuerst wird geprüft, wann die Leistungsspitzen entstehen, wie lange sie dauern und ob sie regelmäßig auftreten.

  2. 02

    Zielwert definieren

    Der Zielwert darf nicht nur rechnerisch attraktiv sein. Er muss technisch erreichbar sein und zu Netzanschluss, Betrieb und Ladefenstern passen.

  3. 03

    kW und kWh trennen

    Für Peak Shaving zählt zuerst die Speicherleistung in kW. Die nutzbare Kapazität in kWh ergibt sich aus Dauer und Wiederholung der Spitzen.

  4. 04

    Betriebsstrategie festlegen

    Peak Shaving wird mit PV, Ladeinfrastruktur, Notstrom und Eigenverbrauch abgestimmt, damit der Speicher nicht gegeneinander arbeitet.

Was wir für eine belastbare Prüfung brauchen

PrüfpunktWarum er wichtig ist
15-Minuten-LastgangZeigt, ob Spitzen kurz, wiederkehrend und technisch kappend sind
Preisblatt NetzbetreiberLeistungspreise und Arbeitspreise unterscheiden sich je Netzgebiet und Spannungsebene
Netzanschluss und MesskonzeptBestimmt, wo der Speicher wirkt und wie die Reduktion gemessen wird
BetriebsstrategiePeak Shaving konkurriert oder kombiniert sich mit PV, Ladeinfrastruktur und Notstromanforderungen
Speichergröße und LeistungkW und kWh müssen zum tatsächlichen Peak passen, nicht nur zur Jahresarbeit
Grundlage für diese Einordnung sind die öffentlichen Erläuterungen der Bundesnetzagentur zu Netzentgelten sowie die Stromnetzentgeltverordnung. Konkrete Leistungspreise, Messkonzepte und Schwellenwerte müssen je Netzbetreiber und Standort geprüft werden.

Typische Einsatzfälle für Peak Shaving

Produktion

Maschinenanlauf und zeitgleich laufende Verbraucher erzeugen kurze Leistungsspitzen

Logistik und Ladeparks

Ladefenster und gleichzeitige Ladevorgänge belasten den Netzanschluss

Gewerbe mit PV

Speicher kann Peak Shaving mit Eigenverbrauchsoptimierung kombinieren

Standorte mit begrenztem Netzanschluss

Speicherleistung kann Lastspitzen oder Ladeleistung puffern

Typische Fehler in Projekten

  • Nur auf Jahresverbrauch schauen – Peak Shaving wird über Leistung und Zeitfenster bewertet, nicht über die gesamte Jahresarbeit.
  • Speicher zu groß oder falsch dimensionieren – Ein großes kWh-System löst keinen Peak, wenn die benötigte kW-Leistung fehlt.
  • Ladefenster ignorieren – Der Speicher muss nach einer Spitze wieder laden können, ohne die nächste Spitze selbst zu verursachen.
  • PV und Ladeinfrastruktur getrennt planen – Die beste Betriebsstrategie entsteht erst, wenn alle Verbraucher und Erzeuger zusammen betrachtet werden.

Was SCU Europe konkret prüft

  • Lastprofil zuerst – Ohne Messdaten keine belastbare Aussage zur Speichergröße
  • Zielwert definieren – Die gewünschte Netzbezugsgrenze muss technisch und wirtschaftlich sinnvoll sein
  • Speicher passend wählen – Leistung und nutzbare Kapazität werden getrennt betrachtet
  • Normen projektbezogen prüfen – VDE-AR-N 4105 oder 4110 hängen vom Anschlussfall ab

Häufige Fragen zu Peak Shaving

Was ist Peak Shaving?

Peak Shaving ist die technische Begrenzung kurzzeitiger Leistungsspitzen. Ein Batteriespeicher liefert Leistung, wenn der Standort einen definierten Netzbezugswert überschreitet.

Welche Daten werden für Peak Shaving benötigt?

Benötigt werden mindestens 15-Minuten-Lastgangdaten, das Preisblatt des Netzbetreibers, Informationen zum Netzanschluss, das Messkonzept und die geplante Betriebsstrategie.

Ist Peak Shaving dasselbe wie PV-Eigenverbrauchsoptimierung?

Nein. Peak Shaving zielt auf Leistungsspitzen in kW, PV-Eigenverbrauchsoptimierung auf Energieflüsse in kWh. Beide Anwendungen können kombiniert werden, müssen aber gemeinsam geplant werden.

Welche Speichergröße passt zu Peak Shaving?

Die passende Größe hängt von Höhe und Dauer der Lastspitzen ab. Für Peak Shaving werden Speicherleistung in kW und nutzbare Kapazität in kWh getrennt betrachtet.